Exkursion Nordfriesland – Teil 4

Die nĂ€chste Station auf dem Campus war der Kleinwindkrafthersteller EasyWind. Wir konnten drei Testanlagen und die Produktionshallen besichtigen. EasyWind hat eine eigene GFK-Produktion und fertigt eine eigene AC-Box an, die zwei Generatoren im Kopf der Windanlage je nach WindstĂ€rke einschaltet. Des Weiteren haben sie ein Patent fĂŒr mechanisches „pitchen“, also regeln der RotorblĂ€tter je nach WindstĂ€rke ohne Elektronikeinsatz. Der eingesetzte Generator lĂ€uft asynchron und liefert 50 Hz, so dass fĂŒr die Anlagen keine Wechselrichter benötigt werden, die bei Kleinwindkraftanlagen hĂ€ufig kaputt gingen. Etwas störend erschien uns die GerĂ€uschentwicklung der Windkraftanlage. Der Generator erzeugt scheinbar bei kleineren Windgeschwindigkeiten genau die Frequenz, die der Resonanzfrequenz des 19 m Masten entspricht. Dadurch entwickelte sich auch im Abstand von gut 30 bis 50 m ein hörbarer Oberton. Die Anlage ist erst ab einem Abstand zur Wohnbebauung von 120 m zulĂ€ssig. Das schrĂ€nkt deren Einsatz leider ein.
Die Fertigung kann etwa 10 Anlagen pro Monat liefern und montieren. Die eingesetzten Bauteile haben eine sehr lange Lebensdauer und sind bereits lange erprobt. Abgesehen von der GerĂ€uschentwicklung könnte die Anlage mit Maximalleistung von 6 kW gut als ErgĂ€nzung fĂŒr Photovoltaikanlagen im lĂ€ndlichen Raum dienen. FĂŒr die Genehmigung sind nötig: Bodengutachten, Statiker und Baugenehmigung. Das heißt, dass ein Architekt einen Bauantrag stellen muss. Hinzu kommen die Kosten fĂŒr die Kabel, da die Anlage ja nicht direkt neben Wohn- oder ArbeitshĂ€usern errichtet werden kann.

Eine schöne ErgĂ€nzung zu Windanlage stellte das Konzept von Herrn Wiese dar. Er entwickelte zusammen mit der Firma Hellmann einen Speicher, den Herr Wiese „Eigenenergiewiese“ nennt. Hierbei wird Überschussstrom, der nicht im Haushalt verbraucht wird, in WĂ€rme umgewandelt. Mit seinen Heizpatronen kann er in 500 W Intervallen regeln und hat so eine ErgĂ€nzung zu einer HauptwĂ€rmequelle und kann somit den Brennstoffbedarf reduzieren. Wenn es viele solcher kleinen „LastbĂ€nke“ gĂ€be, könnten diese als Stromsenke in einem Verbund zur NetzstabilitĂ€t beitragen.

 

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Das gemeinsame Mittagessen fand in der Kantine des GreenTec Campus‘ statt.
Herr Wieses Vortrag im Anschluss, fasste die Fakten des Vormittages zusammen. Inzwischen seien 161 E-PKWs in Nordfriesland zugelassen , das Potential liegt allerdings bei 90.000 zugelassenen PKWs . Gegen Ende des Vortrages leitete er eine Diskussion zum Thema Elektro- vs. WasserstoffmobilitĂ€t ein. In Punkto Wirkungsgrad liegt die E-MobilitĂ€t um ein vielfaches vorn. Auch bei den Lademöglichkeiten, liegt die E-MobilitĂ€t um den Faktor 100 vorn, obwohl gerade dort noch viel geschehen wird. Einzig bei der Reichweite lĂ€ge die Wasserstofftechnologie vorn, wobei ein 50 T € teures Wasserstoffauto nicht viel gĂŒnstiger ist, als ein Tesla, der Ă€hnliche Reichweiten hat und ebenfalls sehr schnell wieder aufgeladen werden kann (Anmerkung vom Autor).

Bemerkenswert war der Besuch im Offtec-Schulungszentrum im Anschluss. Dort werden Offshore-Wind-Techniker fĂŒr die Hochsee ausgebildet. Bisher mussten Windanlagen nur an Land gewartet werden, aber die Windanlagen auf der Nord- und Ostsee bedĂŒrfen auch Installation und Wartung. So gibt es spezielle Trainings fĂŒr den Ernstfall eines Helikopterabsturzes oder Ă€hnliche Havarie FĂ€lle. Das Trainingszentrum wirkt wie ein großes Schwimmbecken mit Wellen und Wettersimulation (Sturm, Gewitter, Dunkelheit). Dieser Besuch hatte also auch etwas mit Erneuerbaren Energien zu tun und war fĂŒr uns eine Abwechslung von der FĂŒlle an Zahlen und Fakten.

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